Die Sonnenblume ist bekannt für ihren sparsamen Umgang mit Betriebsmitteln. Dennoch muss sie die im Boden verfügbaren Nährstoffe erschließen, die für ihr Wachstum unverzichtbar sind. Hier sind bewährte Praktiken für eine angepasste Düngung – und die entscheidenden Faktoren, wann sogar auf Stickstoffgaben verzichtet werden kann.
Sie benötigt nur sehr wenig Stickstoff. So wenig, dass der Anbau von Sonnenblumen in Frankreich nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs regelrecht explodierte: Einerseits wegen der gestiegenen Düngerpreise und Lieferengpässe bei Ammoniumnitrat, andererseits durch höhere Ölpreise und den Rückgang ukrainischer Sonnenblumensamen.
„Dank ihres tiefreichenden Wurzelsystems mobilisiert die Sonnenblume Stickstoff aus den tieferen Bodenschichten und deckt damit einen Großteil ihres Bedarfs“, erklärt das Fachinstitut Terres Inovia.
Zur Berechnung der Düngermenge sollte zunächst der im Boden verfügbare Stickstoff bei der Aussaat bestimmt werden. Er wird dem Ertragsziel gegenübergestellt – der Bedarf liegt bei rund 4,5 kg Stickstoff pro Dezitonne angestrebtem Ertrag.
Empfohlen wird eine Düngung während des Wachstums, nicht bei der Aussaat. So fällt die Versorgung mit den Hauptbedürfnissen der Pflanze – zwischen dem Stadium „fünf Blattpaare“ und dem Blühbeginn – zusammen. Das Risiko der Auswaschung nach Starkregen ist geringer. Zudem kann die Düngung besser an den vorhandenen Bestand angepasst werden.
Geeignet sind Ammoniumnitrat oder Harnstoff, ausgebracht vor dem Erscheinen der Sternknospe. Stickstofflösungen sind (außer mit Spezialdüsen) nicht empfehlenswert, da sie Blattverbrennungen verursachen können.
Überdüngung vermeiden
Bei Stickstoff gilt: Weniger ist mehr. Ein Überschuss verursacht nicht nur unnötige Kosten, sondern wirkt sich auch negativ auf die Pflanze aus.
„Ein übermäßiges Wachstum vor der Blüte führt zu einem Ungleichgewicht zwischen vegetativen Organen (Stängel, Blätter) und den reproduktiven Teilen (Blütenkörbe, Samen) und erhöht zudem den Wasserbedarf“,warnt das Institut du Végétal (Arvalis). Die potenzielle Anzahl der Samen hängt vor allem von der Gleichmäßigkeit und Vitalität der Pflanzen im Stadium von 4–5 Blattpaaren ab.
Ein Überschuss von 50 kg Stickstoff senkt im Schnitt den Ölgehalt um 0,5 Prozentpunkte. Zudem steigt das Risiko von Krankheiten wie Sklerotinia, Phomopsis oder Botrytis.

Der Héliotest – Stickstoff-Teststreifenverfahren für Sonnenblumen
Da die Sonnenblume Stickstoffgaben in fortgeschrittenen Wachstumsstadien besonders gut verwerten kann, hat Terres Inovia eine einfache und originelle Methode entwickelt: den Héliotest, um die Stickstoffdüngung gezielter zu steuern. Dabei werden beim Saattermin in nur einem Streifen des Feldes 60 bis 80 Einheiten Stickstoff ausgebracht.
Ab dem Stadium „sechs Blätter“ wird die Entwicklung dieser Teststreifen im Vergleich zum restlichen Bestand beobachtet – bis hin zum Stadium „14 Blätter“.
- Wenn Unterschiede bereits im Stadium 7–8 Blätter sichtbar sind, wird eine zusätzliche Gabe von 30 Einheiten (bei einem Ertragsziel von 25 dt/ha) bzw. 70 Einheiten (bei 35 dt/ha) empfohlen.
- Wenn Unterschiede erst im Stadium 9–10 Blätter sichtbar werden, wird für ein Ziel von 25 dt/ha kein zusätzlicher Stickstoff empfohlen; für höhere Ertragsziele jedoch eine Gabe von 50 Einheiten.
- Wenn Unterschiede ab dem Stadium 12 Blätter bis 13–14 Blätter auftreten, kann eine Zufuhr von 30 Einheiten sinnvoll sein.
- Wenn keine Unterschiede auftreten, wird empfohlen, nicht zu düngen.
„In 80 % der Fälle hat der Héliotest dazu beigetragen, das angestrebte Ertragsziel zu erreichen oder sogar zu übertreffen (sofern es erreichbar war), und das ohne Überdüngung“, freut sich Terres Inovia mit Blick auf die Ergebnisse von 80 Versuchen.
Nährstoffaufnahme und Versorgung
Der Vorteil der Héliotest-Methode besteht darin, dass sie auf einer konkreten Realität basiert, während andere Verfahren auf Berechnungen, Schätzungen oder Bodenanalysen beruhen, die fehleranfällig sein können.
Das ist besonders interessant, weil die Sonnenblume über ein sehr tiefes Wurzelsystem verfügt, mit dem sie Mineralstoffe aufnehmen kann, die in den Analysen nicht oder nur unzureichend berücksichtigt wurden. Die Stickstoffreste für die Sonnenblumenkultur werden tatsächlich bis in eine Tiefe von 90 cm, teils sogar bis 1,20 m, gemessen.
Darüber hinaus passt sich die Sonnenblumenkultur zeitlich gut an die Mineralisierung der organischen Bodensubstanz an. Das kann eine zusätzliche Versorgungssicherheit bei der Stickstoffernährung bieten, die sich vor der Aussaat nur schwer vollständig erfassen lässt.
Bei der Stickstoffdüngung empfiehlt Terres Inovia, mit einem nützlichen Absorptionskoeffizienten von 80 % zu rechnen – d. h. etwa 20 % der aufgebrachten Menge gehen verloren. Der Bedarf wird auf 4,5 kg Stickstoff pro Dezitonne Ertrag geschätzt.
Auf seinen regionalen Treffen im Südwesten 2022 erklärte Terres Inovia, dass die Sonnenblume „in der überwiegenden Mehrheit der Fälle sehr leicht in der Lage ist, 80 Einheiten Stickstoff im Boden zu erschließen – und oft sogar mehr als 200 kg.“ Dennoch bleibt die Kultur in dieser Hinsicht sehr empfindlich gegenüber dem Bodenverdichtungszustand.

Wege ohne Stickstoffdüngung
Angesichts des geringen Stickstoffbedarfs und der hohen Fähigkeit der Sonnenblume, den Boden zu erschließen, wurden verschiedene Strategien entwickelt, die eine Düngung überflüssig machen. Händler wie Hermouet unterstützen ihre Kunden dabei und berichten von guten Ergebnissen mit einem Biostimulans auf Bakterienbasis, das die Fixierung von atmosphärischem Stickstoff ermöglicht. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Nutzung von Zwischenfrüchten, insbesondere Leguminosen, die über Blattreste, Wurzelexsudate und Wurzeln Stickstoff wieder in den Boden einbringen.
Bor als Präventivmaßnahme
Neben Stickstoff spielt Bor eine wesentliche Rolle im Wachstum der Sonnenblume. Der Bedarf liegt bei über 400 g/ha, wovon 80 % zwischen dem Stadium „fünf Blattpaare“ und der Knospenbildung aufgenommen werden. Französische Böden sind häufig borarm, besonders dort, wo Sonnenblumen in engen Fruchtfolgen angebaut werden. Ein Mangel kann deutliche Symptome wie „plötzliches Blattverbrennen“ und in schweren Fällen sogar den Verlust der Blüte verursachen. Um dies zu verhindern, sind vorbeugende Bormengen zu empfehlen, vor allem auf leichten oder kalkreichen Böden. Trockene Bedingungen, starke Temperaturschwankungen zwischen dem Stadium „fünf Blattpaare“ und dem Blühbeginn sowie übermäßiges vegetatives Wachstum erhöhen das Risiko zusätzlich. Damit die Maßnahme wirksam ist, sollte die Borversorgung erfolgen, bevor erste Symptome sichtbar werden.
Geringe Ansprüche an Phosphor und Kalium
Die Sonnenblume ist eine Pflanze mit geringem Phosphor- und mäßigem Kaliumbedarf. Bei einem Ertrag von 35 dt/ha exportiert sie rund 45 kg P₂O₅ und 30 kg K₂O. Dennoch sollten die Nährstoffgaben je nach Bodengehalt angepasst werden, um Mängel zu vermeiden und eine gute Bestandsentwicklung sicherzustellen.
Alexis Dufumier